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Förderverein „Dorf Rittenhofen e.V.”

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Historisches Rittenhofen: Der Rittenhofer Bann
von Alfons Himbert

Vermessung Die Vermessung des Rittenhofer Banns unter der Regentschaft des Fürsten Wilhelm-Heinrich zu Nassau-Saarbrücken von 1741 bis 1768.
 
"Auf Hochfürstlichen Gnädigsten Befehl bei der General-Renovatur der Grafschaft Saarbrücken, unter der Aufsicht derer hier zu Gnädigst ernannten Commissariorum, als Herrn Bauer Rath und Bau Director Stangels und Herrn Oberschulz Schmied, mit der Allhießig Saarbrückischen Ruthen von 10. Werckschurn, deren 250. Quadrat Ruthen auf einen Morgen gerechnet sind, im Jahr Christi 1758 gemessen und in einer richtigen Carte, worinnen sich alle Gewannen, Loße und Grundstücke befinden, gebracht und weise eingetheilet, auch also mundiret und jeder Tractus besonders numeriret, nicht weniger auf jedes unterschrieben. 6. Gemeindsglieder aufrechnen alle Loßer des ganzen Bannes Ackerland je 6 gleiche Theile nach dem Quadratinhalt also vertheilet und jedes Grund Stück abgesteuert worden, dass kein Teil wann er auch gleich a n einem Schadhaften orth, weg, graben oder gewann anwänder gelegen, nichts zu bekommen hat. Durch den hier zu verpflichtetem Feldmesser Johann Georg Deißinger."
Urkunde, 1. Seite  Urkunde, 2. Seite
Die beiden ersten Seiten des Meß- und Bannprotokolls des Dorfes Rittenhofen, archiviert im Landesarchiv Saarbrücken, Bestand N-SII,Nr. 3227. Fotos: M. Jungfleisch

Die Grundstücksflächen wurden insgesamt wie folgt zugewiesen:
Jacob Woll: 124 1/2 Morgen und 23 1/4 Ruthen
Nicolaus Rupp sen.: 128 1/2 Morgen und 24 Ruthen
Nicolaus Rupp jun.: 131 3/8 Morgen und 11 1/2 Ruthen
Sebastian Albert: 126 5/8 Morgen und 25 1/4 Ruthen
Nicolaus Albert: 123 3/8 Morgen und 29 1/4 Ruthen
Theobald Maaßen: 123 3/8 Morgen und 29 1/4 Ruthen
Gemeinde: 58 3/4 Morgen und 11 3/4 Ruthen
SteuernDiese Personen mit ihren Familien waren Grundbesitzer und zugleich Hauseigentümer geworden. Auf Hochfürstlichen Gnädigsten Befehl und zur Errichtung eines neuen und richtigen Steuerfußes in hiesiger Grafschaft Saarbrücken wurde ein Schätzungsschlüssel zum Rittenhofer Capital erstellt. Der Grundstückswert wurde festgelegt und den Steuerklassen A, B, C, A B und BC zugeordnet.
 
Bannbuch von 1758Im Bannbuch von 1758 ist die Wasserstelle in Tractus I "Gärten, die Große Gärten" Nr. 104 Grundstück Jakob Woll als "Garten an der Viehtränke" sowie in der Flurkarte von 1758 schon als Brunnen und kleiner Teich ausgewiesen. Der Weg auf den Kohlenberg ist noch nicht eingezeichnet. In der 1844 von Geometer Debray renovierten Flurkarte ist die Viehtränke rechteckig dargestellt, der Wasserablauf als Wassergraben eingezeichnet in Richtung Kohlbach, der im Bereich der Süsswiesen in den Hermesbach mündet. Auch zu dieser Zeit war der Feldweg zum Kohlenberg noch nicht angelegt. Er ist heute noch ein Anwänderweg (privat).
 
In einem Bericht des Heimatforschers und Pfarrers Karl Rug "Die Gemeinde Köllerbach und ihre Dörfer" ist ein Peter von Rittenhofen als Meyer im Anfang des 15. Jahrhunderts erwähnt. Des weiteren ist ein Volmer von Dilsburg 1441 und ein Niclas von Rittenhofen als Nachfolger verzeichnet.
Anmerkung: Die Bezeichnung "von Rittenhofen" ist hier nicht der Familienname sondern bezeichnet nur die Herkunft bzw. den tatsächlichen Wohnort.
Bereits zu dieser Zeit könnten die Bewohner von Rittenhofen diese Wasserstelle als Brunnen angelegt und auch als Viehtränke genutzt haben.
 
Kriege und BesiedlungDen 30jährigen Krieg von 1618 - 1648 hat nachweislich keiner der damaligen Dorfbewohner überlebt. Erster Neusiedler im verödeten Rittenhofen war Heinrich Dürck, genannt "Ritt von Rittenhofen" , der um das Jahr 1664 aus Oldenburg kam, ein Trümmergrundstück von der Grafschaft Saarbrücken erwarb und das erste Haus wieder errichtete, Diwels Haus. Beim Fliegerangriff am 21. Juli 1944 schlug eine Bombe vor dem Wohntrakt des Hauses in unmittelbarer Nähe des Hausbrunnens (Pütz) ein, der verschüttet und unbrauchbar wurde. Sogar nebenstehender Kastanienbaum wurde entwurzelt und auf die Straße geschleudert. Auch die Vorderfront des Wohntraktes musste neu aufgebaut werden. Die Fensteröffnungen des Wohnhauses wurden neuzeitlich angepasst. Einige Jahre später haben die damaligen Eigentümer Josef Himbert und Katharina Feld einen Teil des Scheunentraktes zu Wohnraum umgestaltet. Es wurde ein separater Eingang für die Mutter Katharina Himbert sowie die beiden ledigen Geschwister Margarete und Katharina Himbert, ehemalige Pfarrhaushälterinnen geschaffen. Der Wiederaufbau der anderen in der Bannkarte von 1758 aufgezeichneten Häuser ist der Zeit zwischen 1680 und 1758 zuzuordnen, auch das von der Gemeinde erbaute Hirtenhaus. 1835 wurde an die Stelle des alten Hirtenhauses ein neues gebaut mit Wohnhaus, Stall und Scheune. Es wurde 1981 abgerissen. Letzter Hirt in Rittenhofen war Nikolaus Altmeyer, genannt "Hirte Nickel". Die den damaligen Häusern zugehörigen Brunnen "Pütze" sind größtenteils noch erhalten. Die sogenannte Freiheitskastanie wurde erst um das Jahr 1764 gepflanzt in der Nähe der beschriebenen Viehtränke im Dorfmittelpunkt. Nach Verlegung der Wasserleitung 1908 von der Brunnenstube auf dem Gewann "Hinter dem Bruchwäldchen" bis zum Hochbehälter in der Sprenger Straße während der Amtszeit von 1903 bis 1910 des Ortsvorstehers Johann Raber wurde die Viehtränke ca. 50 m in Richtung Anwesen Derr verlegt. Der Standort ist auf der aktuellen Flurkarte ausgewiesen und an das Wasserleitungsnetz angeschlossen. Sie wurde bis zu den fünfziger Jahren kostenfrei als Viehtränke genutzt. Beim Ausbau der Rittenhofer Straße im Jahr 1950 unter Baptist Himbert, Bürgermeister von 1946 bis 1956, wurde die Viehtränke von ihrem Standort weggenommen und am Feldweg hinter Himbasch Haus, Stammhaus der Sippe Himbert im Köllertal, am Hermesbach aufgestellt, wo sie weiterhin ihrem Zweck diente. Die vormals dort genutzte Waschtrogtränke war beseitigt worden. Nach der rückläufigen Entwicklung des Viehbestandes in Rittenhofen wurde die Viehtränke entfernt. Es wurde dann von der Gemeinde Köllerbach pro Stück Großvieh eine bestimmte Wassermenge in Abzug gebracht bei der Berechnung des Haushaltswassergeldes.
 
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Anmerkung: Zu dem Originaltext wurden nachträglich Überschriften eingefügt.

 

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